Ja, es ist tatsächlich relativ, also wir könnten jetzt über die verschiedensten
Aspekte relativ lange sprechen.
Ich versuche, man das so grob auch entlang dieser Zeitfrage zusammenzubringen.
Also was ich ja schon angedeutet hatte, was ich denke, was prioritär sein muss,
ist, dass diese Modernisierungsanstrengungen jetzt nicht komplett nachlassen dürfen.
Also dass wir tatsächlich aus der fossilen Energie aussteigen,
entsprechend weiter Erneuerbare fördern, CO2-Preis und so weiter.
Also dieser Instrumentenkasten, der ist ja jetzt auch schon gefährdet.
Stichwort Trump. Das ist sozusagen ja alles bekannt.
Das ist sozusagen das eine. Das andere, was kurzfristig ungemein wichtig ist.
Angesichts der Bedrohungen auch von Demokratien ist, dass in Gesellschaften
wie der Bundesdeutschen, dass man wegkommt davon, den zivilgesellschaftlichen
Raum weiter einzuschränken.
In der Literatur sprechen wir hier ja von shrinking civic spaces,
die wir beobachten können, dass in vielen Gesellschaften weltweit der zivilgesellschaftliche
Handlungsraum von staatlichen Akteuren eingeschränkt wird, dass Kriminalisierungstendenzen bestehen,
also bestimmte zivilgesellschaftliche Akteure zu kriminalisieren,
repressiv zu reagieren und so weiter.
Und diese Tendenzen gibt es in den letzten Jahren ja auch in der deutschen Zivilgesellschaft
und hier können wir erinnern an beispielsweise den Umgang mit den Aktivisten,
Aktivistinnen der letzten Generation.
Da können wir über die Strategie dieser Aktion natürlich trefflich streiten,
aber die Kriminalisierung dieser Bewegung ist hochproblematisch, würde ich sagen.
Und eine lebendige Zivilgesellschaft ist eine ganz klare Voraussetzung dafür,
dass wir überhaupt weiter Orte haben, die Klimaschutz,
Klimaanpassung, ökologische Fragen, Biodiversität und so weiter anmahnen,
dass man hier tatsächlich sich versammelt, dass man Druck ausübt über NGOs.
Freie Assoziationen, Demonstrationen, meinetwegen zivilen Ungehorsam und so weiter.
Ja, da gab es natürlich eine, ja schon große,
exzeptionelle Erfahrung mit einer Weltjugendbewegung Fridays for Future und
anderen Gruppierungen in diesen Jahren 1920,
1921, 1922, die jetzt mehr oder weniger arbeiten.
Wenn ich sage, in der Versenkung verschwunden ist, aber natürlich nicht mehr so präsent ist.
Aber man darf das nicht vergessen, dass es das gab, das dazu geführt hat,
dass der Klimaschutz viel, viel deutlicher auf die politische Agenda gerückt
worden ist in diesen Jahren.
Und so etwas kann ja wiederkommen oder müsste wiederkommen, dass hier Zivilgesellschaft
vielleicht auch gepaart mit anderen Themen.
Beispielsweise damit, dass man gegen das Schrumpfen der Demokratie ankämpft, die USA und so weiter.
Also diesen Raum der Zivilgesellschaft braucht es auch ganz, ganz kurzfristig.
Dann denke ich, ist, wenn man diese ökologische Agenda nochmal wieder neu auflegen will,
reaktivieren will, ist ganz entscheidend und das ist sicherlich in den letzten
Jahren nicht gut gelungen, dass man die ökologische Frage mit der sozialen Frage stärker verbindet.
Also dass das verknüpft gehört.
Da müsste man, glaube ich, auch sehr, sehr gut über Details Bescheid wissen,
in die Details gehen, um irgendwie zu überlegen, wie kann das alles genau ausschauen.
Der Grundgedanke ist jedenfalls zu sagen, dass diejenigen, die am wenigsten
zum Klimawandel beigetragen haben, nicht diejenigen sein sollten,
die am stärksten hinterher von den Folgen belastet werden.
Also von den Folgen des Klimawandels beispielsweise durch Extremwetterereignisse
oder aber auch in Form der Kosten, die geschultert werden müssen.
Also diejenigen, die am meisten beigetragen haben zu den CO2-Emissionen,
sollten auch am meisten...
Direkt gesagt, zur Kasse gebeten werden. Und das ist, glaube ich,
etwas, was auf die politische Agenda gehört, was viel klarer kommuniziert werden muss.
Und da haben wir ja jetzt auch neuere Daten.
Seit ein paar Jahren gibt es das, dass man hier ganz klar sagen kann,
also wie da die Verteilung ist, wer zu welchem Anteil eigentlich CO2-Emissionen emittiert hat.
Und da gibt es dann so klare Zahlen, wie das oberste 1% weltweit verantwortlich
ist für 17% der jährlichen globalen CO2-Emissionen.
Das zeigt also diese Relation an, wie soziale Ungleichheit und Klimawandel aufs
engste miteinander verknüpft sind.
Und das gilt es aufzugreifen, zu kommunizieren und vielleicht auch zu politisieren,
also dass entsprechend klar ist, wie die Verantwortlichkeiten hier sind und
das soziale Ungleichheit zu bekämpfen.
Ein absolut wichtiger Schritt wäre, auch in ökologischen Fragen weiterzukommen.
Das ist, glaube ich, bislang nicht gut gelungen.
Und das wäre prinzipiell politisierbar, geschieht jetzt allerdings auch bisher nur in Maßen.
Da haben wir es natürlich auch mit weiteren Blockaden zu tun,
dass entsprechend dieses oberste 1% über entsprechende Einflusskanäle und Lobbymacht
verfügt, hier sozusagen auch die Agenda zu setzen und darauf hinzuwirken,
dass in diese Richtung kaum etwas passiert.
Und das sind natürlich die verschiedensten Dinge, die man da denken kann.
Allen voran geht es natürlich um so Fragen von Erbschaften und Vermögensteuer.
Vermögensteuer, die wir in Deutschland noch nicht mal mehr haben.
Solche Fragen gehören dann auf die Agenda.
Und wenn wir jetzt noch weiter in die Zukunft schauen, also über längere Zeiträume,
dann würde ich gerne noch auf zwei Dinge zu sprechen kommen.
So wie ich angedeutet habe, wäre ja mein Verständnis vom Bricolage auch,
dass wir mittelfristig aus diesen Wachstumszwängen des gegenwärtigen Kapitalismus
mehr und mehr herauskommen.
Was jetzt nicht heißt, dass irgendwie zum Zeitpunkt X sozusagen umgestellt wird
auf Postkapitalismus, sondern was bedeuten müsste,
dass andere Formen des Wirtschaftens anerkannt werden, gesehen werden,
gefördert werden und stärker werden. Also.
Abstrakt, größer gesagt, die Growth-Elemente, die es gibt,
nicht als etwas ansehen, was mal irgendwann zum Tag X dann weltweit eingeführt
wird, sondern das sind Dimensionen des Wirtschaftens, die jetzt schon existieren,
die von kleineren Unternehmen propagiert werden, die im Non-Profit-Sektor,
im Genossenschaftswesen getan werden.
Und das gilt es sozusagen als Dimension eines solidarischen ökologischen Wirtschaftens
ernst zu nehmen und zu fördern,
sodass diese Elemente auch einer Regionalisierung
und damit einer Resilienzsteigerung angesichts von Krisen,
dass das stärker wird, dass es gefördert wird.
Und dass hier sozusagen irgendwo auch ein wirtschaftliches Gegengewicht aufgebaut
werden kann zu einer Wirtschaft, die schlicht auf Wachstum ausgerichtet ist.
Und schließlich würde ich verweisen auf Entwicklungen im internationalen Bereich,
wo ich persönlich, vielleicht lege ich da zu viel Hoffnung drauf, vielleicht auch nicht.
Das wäre meine Hoffnung, dass ich da richtig liege, sozusagen in meiner Hoffnung,
dass es vielleicht so eine Art Rechtsrevolution geben kann,
nämlich dass es vielleicht mehr und mehr dazu kommen wird, dass wir Eigenrechte der Natur anerkennen.
Also dass mehr und mehr beispielsweise Ökosysteme wie Wälder, Sümpfe,
Seen, bestimmte wertvolle Ökosysteme entlang von Flüssen und so weiter,
dass die zur Rechtsperson erklärt werden, dass sie subjektive Rechte bekommen
und damit Teil der Rechtsordnung mit eigenem Klagerecht und damit mit der Möglichkeit
sozusagen gegen die Verwertungszusammenhänge des Kapitalismus.
Auch sich zu verteidigen. Und wieso Hoffnung? Weil tatsächlich gibt es hier ja jetzt schon einiges.
Und zuvor, das ist dahinter zu nennen, dass es eine Änderung der Verfassung
in Ecuador im Jahr 2008 gab, wo Rechte der Natur anerkannt wurden.
Zunächst mal war es ein zahnloser Tiger, aber in den letzten Jahren haben sich
mehr und mehr in Gerichtsurteilen, hat sich dann gezeigt,
dass tatsächlich Regenwälder verteidigt werden konnten gegen das Interesse,
dort Bergbau zu betreiben, dass diese Firmen die Konzession nicht erhielten, dort etwas abzubauen.
Und diese Idee zieht mittlerweile, könnte man sagen, um die Welt in andere lateinamerikanische Länder hinein.
In Neuseeland gibt es dann schon seit langer Zeit einen Fluss,
der zur Rechtsperson erklärt wurde.
Und wir sehen das in Nordamerika und Europa auch, dass mehr und mehr Juristen,
Juristinnen das aufgreifen, NGOs, dass es zu Gerichtsurteilen kommt,
die in diese Richtung weisen.
Und das wäre tatsächlich etwas, wo im Rahmen sozusagen einer Modernisierung
des Rechts, das ist juristisch gesehen überhaupt nicht schwer,
solche Dinge einzuführen.
Das liegt sozusagen eigentlich noch in der Rechtslogik des liberalen Rechts,
wie dann sozusagen über diese Neueinführung von Elementen vielleicht so eine
transformatorische Wirkung mittelfristig auch in Gang gesetzt werden könnte.
Also, dass die Natur zum Teil der Gesellschaft, zum Bestandteil der Gesellschaft
wird, die dann sozusagen auch eigene Mittel erhält, ihre Interessen,
ihre Rechte gegen wirtschaftliche Interessen geltend zu machen.
Und das wäre etwas, was es auf jeden Fall wert wäre, weiter im Blick zu behalten
und dafür sich einzusetzen.
Das ist sozusagen das, was ich als Hoffnungsschimmer sehe.