Also man muss einfach sagen, und das ist wirklich absurd, eigentlich müsste
man sagen, der Rundfunkföderalismus in Deutschland, der darin besteht,
dass Rundfunkgesetzgeber die Länder sind.
Also es beschließt ja nicht der Bundestag die Rundfunkgesetzgebung in Deutschland,
sondern es sind alles Staatsverträge der 16 Bundesländer.
Das funktioniert nur, solange die AfD
dort nicht in einem der Bundesländer mitregiert. Sobald das der Fall ist,
ist das das Ende des Rundfunkkriminalismus. Da reicht ein Land.
Ich meine, da machen sich Leute zurecht Sorgen.
Aber warum finde ich das so beeindruckend? Denn in den neun Jahren,
in denen ich im ZDF Aufsichtsgremien war, gab es sechs oder sieben Rundfunkmedien
oder Rundfunk und dann nachher Medienänderung Staatsverträge.
Das heißt, jedes zweite Jahr, mehr als jedes zweite Jahr, haben sich 16 Bundesländer
einstimmig darauf geändert, da Dinge.
Quasi zu adaptieren, zur Erweiterung und so weiter. Und die meisten Änderungen waren vernünftig.
Es gibt natürlich Schreckensänderungen wie das Verbot pressendlicher Angebote
und das nochmal zu verschärfen.
Da habe ich mich genug schon geäußert. Das, glaube ich, braucht man jetzt nicht
vertiefen, warum das eine absolut doofle Idee ist und einfach wirklich auch
ein Überbleibsel aus der Zeit von der Einführung des Teletexts.
Aber gut, das schmerzt, aber im Großen und Ganzen ging das in die richtige Richtung.
In diesen selben zehn Jahren gab es in Österreich eine einzige gesetzliche Änderung,
obwohl es dort nur eine Nationalratsmehrheit braucht dafür.
Und das war schon mega überfällig, aber selbst das ist noch hinter dem zurückgeblieben,
was die Deutschen Öffentlich-Rechtlichen dürfen.
Also in Österreich ist wirklich das Ausmaß der Einschränkung des Digitalangebots
des ORF, und das ist so schrecklich, und Österreich ist wirklich ein Trauerspiel.
Der ORF war Mitte der 1990er Jahre absolut führend.
Das führt dazu, die waren allem vorne dran, das führt dazu, dass zum Beispiel
die sogenannte blaue Seite, OFAT, in Österreich im Unterschied zu fast allen
anderen öffentlich-rechtlichen Sendern Marktführer ist.
Und paradoxerweise hat diese Stärke des öffentlich-rechtlichen im ORF,
die historische Stärke des öffentlich-rechtlichen in Österreich,
dazu geführt, dass sie besonders früh und besonders hartnäckig und bis heute
besonders unter Beschuss der privaten Konkurrenz gekommen sind.
Und das führt dazu, dass eben wirklich zum Beispiel, mehrere ORF-Unterseiten
hatten unfassbar tolle Foren. Also wir hatten schon diese Foren,
die ich mir für den ORF und für die ANZF wünsche, wurden gesetzlich abgedreht.
Der ORF hatte mit der Future Zone ein Angebot, das wirklich absolut bahnbrechend
und eben Medien- und Netzpolitik in Wirklichkeit betrieben hat.
In Österreich gibt es keinen Netzpolitik.org, weil es gab die Future Zone.
Was hat man gemacht? Man hat sich gezwungen, es zu verkaufen.
Heute gibt es die Future Zone beim Kurier.
Das ist ein privater Medienangebot gehört an der Bank, der Reifersenbank.
Und was ist daraus geworden?
Ein Portal für Produkttests. Also das, was im Internet wirklich ganz dringend war.
Dass irgendwo noch irgendwelche Tech-Gimmicks getestet werden.
Aber ein netzpolitisches Angebot gibt es nicht mehr.
Es gibt den Webstandard, der das ein bisschen macht. Aber das ist wirklich schwierig,
weil es gibt die Verbotsliste, die es quasi da gibt im ORF-Gesetz,
die wirklich ganz viele Dinge verbietet und dann auch noch die Art und Weise,
wie neu, wenn man sich mal was traut, was irgendwie zwischen den Verboten hindurch
man vielleicht machen könnte,
dann muss das von der Aufsichtsbehörde in einem so langwierigen Verfahren genehmigt
werden, dass vielleicht die Technik schon obsolet ist, bis man es überhaupt machen darf.
Also wirklich, die Rahmenbedingungen sind wirklich sehr, sehr schlecht.
Gleichzeitig habe ich mich immer auf den Standpunkt gestellt,
dass alleine, ich halte es nicht aus, wenn Leute sagen, ich kann nichts machen,
weil ich darf nichts. Das ist auch immer gelogen.
Da muss man kreativ sein, Workarounds finden, trotzdem gehen und einfach die
Dinge, die man darf haben, auch machen.
Und ich glaube, dagegen viel mehr. Das ist eine Hauptaufgabe,
die ich im OFC sehe, da auch mit konkreten Vorschlägen das zu machen.
Aber um es an einem letzten ganz konkreten Beispiel festzumachen,
wo ich sage, da sieht man es so schön.
Das ist wirklich eines der größten Erfolgsgeschichten im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk in Deutschland, ist Funk, das junge Angebot, das 2016 vor zehn Jahren
gestartet wurde. Das ist jetzt 10. Geburtstag.
Und das Fantastische damals war, auch nicht aus den falschen Gründen,
weil man Geld sparen wollte, hat man keinen Sender gemacht, das war das größte Glück.
Deshalb hat Funk von Anfang an sich auf Drittplattformen konzentrieren können
und dürfen und hat das gezeigt, dass sie es können.
Und dass öffentlich-rechtliche Angebote auch auf Drittplattformen in kommerziellen
Umfällen funktionieren können und dort wichtig sind und dort Lücken füllen und so weiter.
Wir haben jetzt 2026. Es gibt in Österreich nichts, auch nur annähernd Vergleichbares.
Es gibt ein paar Formate, die man gemeinsam mit Funk macht, aber es gibt kein,
Jugendangebot in diesem Sinne in Österreich, das primär dort ist,
wo die junge Zielgruppe in Österreich ist.
Das ist ein Drama. Ich meine, und kann man sagen, okay, die besten wären natürlich
trotzdem wie in Deutschland, dass man das gesetzlich beauftragt,
dass das auf die grüne Wiese gestellt wird, dass die eben nicht gefangen sind
in den linearen Logiken der etablierten Sender. Das war das Erfolgsgeheimnis von Funk.
Ich bin trotzdem der Meinung, solange das nicht passiert, und ich sehe es jetzt
leider nicht, dass das bald passiert in Österreich, muss man mit dem,
was man arbeitet, was man hat.
Und da wie mein Vorschlag zum Beispiel, es gibt einen eher reichweitenschwachen,
sogenannten alternativen Jugendsender FM4, vielleicht kennt man den in Deutschland
auch, der auch eigentlich ein Programmradio ist.
Das heißt, das ist kein Formatradio, sondern der hat lauter eigene Sendungen,
der war auch sehr innovativ, sehr viele innovative Formate.
In Deutschland kennt man vielleicht Stermann und Christemann,
die da auch aus dem Sender herausgewachsen sind.
Das ist eigentlich, finde ich, die Hülle, die muss man zu einem Austroffunk umbauen.
Und ich habe auch ganz konkret beschrieben, warum das wichtig ist,
wie ich mir das vorstellen könnte, welche Formate das zum Beispiel wären.
Ich bin auch im Austausch mit Leuten im OF, die das auch gut finden.
Es gibt Konzepte dazu, die da ausgearbeitet werden.
Das heißt nicht, dass das gelingen wird. Überhaupt nicht. Das ist Heavy-Lifting.
Aber ich sage immer, solche Dinge muss man machen.
Und das wird nicht so geil sein wie Funk, aber es kann schon auch geil sein.
Und man müsste das halt vorantreiben und das braucht quasi eine Führung, die das will.
Und das gab es in Österreich nicht.
Das eine ist die Politik und dass das Lobbying so stark war,
gerade weil die Privaten sich so unter Druck gesetzt sahen durch die Stärke des ÖF im Netz.
Aber das andere ist schon auch absolute Führungsschwäche im ORF über die letzten 20 Jahre,
das war 15 Jahre die längste Diener der ORF-Generaldirektor der Zeiten war Gabetz
und der hat eben Österreich vom Vorreiter zum Nachzügler werden lassen weil
ihm es nicht wichtig war und sein Nachfolger Roland Weismann, der,
Anfang dieser Woche, am Montag wegen einem MeToo-Skandal zurücktreten musste,
oder zurückgetreten ist, wie auch immer.
Der war quasi genauso und ehrlich gesagt, deshalb muss ich sagen Die Umstände
sind wahrscheinlich nicht die schönsten, aber dass jetzt so ein Weiter-so wie
bisher, nämlich dass das jetzt vom Tisch ist durch diesen Rücktritt,
dass klar ist, weil der hätte die besten Chancen gehabt, wiederbestellt zu werden
und dass das jetzt weg ist, das ist zumindest eine Chance.
Ob es genutzt wird, werden wir sehen.