Darauf kann ich nicht antworten, deswegen antworte ich auf deine Frage,
weil da habe ich mich wirklich so daran beschäftigt, wie es mit den Urlaubstagen ist.
Genau, die Frage ist, welche fundamentalen institutionellen Veränderungen?
Also ich gehe es ja von der Verausgabung von Arbeit an und sage,
eigentlich in der Situation, wo Arbeit knapp wird, also nicht genug Arbeitskraft verfügbar ist,
muss man sich sehr gut überlegen, gesellschaftlich gesehen, wofür sie eingesetzt wird.
Und eigentlich sollte Arbeit mehr in Bereiche fließen, die gesellschaftliche
Zukunftsfähigkeit ermöglichen und weniger in Bereiche, die absolut sinnlos sind, gesellschaftlich.
Ich flirte da ein bisschen mit dem Begriff Bullshit Jobs von David Graeber.
Der Ethnologe, der ein Buch geschrieben hat, wo er irgendwie herausgefunden
hat, dass ein Drittel der Leute in Umfragen sagen, dass sie nicht mal genau
wissen, wofür ihre Arbeit eigentlich gut sein soll und ob die wirklich Nutzen hat.
Halte ich auch wieder für eine Übertreibung, das ist eine Spezialdebatte,
aber ich stimme zu, dass wir eine Menge Bullshit-Jobs haben.
Also ich glaube Lieferdienstfahren ist ein Bullshit-Job, weil im Grunde braucht
es niemand, dass jemand die Produkte nach Hause bringt, statt dass man irgendwie
auf die Straße geht und sich was zu essen kauft oder sonst irgendwas.
Ich glaube, dass die Innovationswettläufe, von denen wir vorhin geredet haben,
der Handyindustrie zum Beispiel, absolut wahnsinnig sind von gesellschaftlichen
Standpunkt und Ressourcen binden, die viel besser eingesetzt werden könnten.
Ich glaube, die ganze Influencer, Social Media, Werbenexus bindet Kapazitäten in unglaublichem Maß.
Das ist meine Meinung, ich muss damit nicht recht haben, der Punkt ist,
dass ein gesellschaftlicher Diskurs darüber beginnen sollte,
welche Arbeit nützlich ist und welche eher nicht nützlich ist und Arbeit stärker
nach diesem Kriterium verteilt werden sollte.
Und das bricht natürlich mit dem Grundprinzip der kapitalistischen Ordnung,
nämlich die Allokation von Arbeit liegt primär in den Händen von privaten Unternehmen,
die dann Leute einstellen, wenn es Profit gibt.
Und dann Leute nicht einstellen, wenn es keinen Profit gibt.
So und ich glaube auch, dass man das ändern sollte langfristig grundsätzlich.
Das ist aber kein realpolitisches Konzept. Deswegen beziehe ich mich im Buch
ja auf zwei Ansätze, die meiner Meinung nach auch heute zu realisieren wären.
Und das ist einerseits die Forschung von heterodoxen Ökonomen,
die mit dem Begriff der Fundamentalökonomie operieren.
Das ist die Corona-Debatte im Grunde, die wir hatten.
So was brauchen wir wirklich zum Leben? Wovon hängt unsere Existenz ab?
Kritische Infrastruktur, Sorgearbeiten, Lebensmittelversorgung und so weiter
und so fort, die halt argumentieren, dass diese Bereiche systematisch gestärkt werden sollten.
Und wenn man sich mal überlegt, was passiert ist in den letzten Jahrzehnten,
ist, dass diese Bereiche systematisch ausgeblutet wurden.
Also die ganze Welt lacht über die Deutsche Bahn. So, was ist da los?
Das ist ein Bereich kritischer Infrastruktur, der total wesentlich ist.
Die öffentliche Daseinsvorsorge ist unterfinanziert.
Selbst wenn sie teurer geworden ist aufgrund des demografischen Wandels,
das was reingesteckt wird, reicht längst nicht aus.
Und das ist doch eine Umverteilung, gesellschaftliche Ressourcen zu erreichen.
Dass die institutionelle Veränderung schlicht die, dass große Vermögen angetastet werden.
Und wenn man das machen würde, wäre es tatsächlich so, dass es finanzierbar
wäre. Das wäre kein Problem aus meiner Sicht.
Das andere ist der Ansatz von Mariana Mazzucato mit missionsgetriebener Innovations-
und Investitionspolitik, die einfach in ihrem Grund,
Sehr gut ein Buch, das Kapital des Staates heißt, das nachgezeichnet hat,
wie im Zuge der Mondlandung, ich glaube drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts
der USA für dieses Projekt der Mondlandung ausgegeben wurden,
mehrere hunderttausend Leute in Lohn und Brot standen und mehrere Basistechnologien
erfunden wurden, die später die Grundlage für den ganzen Boom im Silicon Valley dargestellt haben.
Beziehungsweise in unseren Smartphones jetzt massenhaft angewendet werden.
Und das war alles Produkt eines groß angelegten staatlichen Forschungsprojektes,
riesige Innovationsinitiative für dieses verrückte Ziel der Mondlandung,
hinter dem letztendlich militärische Interessen standen.
Und sie sagt halt, sowas bräuchten wir auch, aber für Zwecke,
die die Gesellschaft wirklich weiterbringen.
Wir stehen an der Wegscheide, wo sich entscheidet, ob man die multiplen Krisen,
mit denen die Welt konfrontiert ist, ob man die in den Griff kriegt oder nicht.
Warum sollte man nicht mit genauso einer großen Vehemenz wie damals in diese
Zielsetzung investieren und
damit einen Sog auslösen oder eine Gravitationswirkung entfachen, dafür,
dass Arbeit in diesen Bereichen verausgabt wird.
Und weniger in irgendwelchen Bereichen, die wenig gesellschaftlichen Nutzen haben.
Also zumindest würde man eine größere Attraktion dieses progressiven Pools erreichen können.
Und das sind sozusagen Ansatzpunkte für Veränderungen, die die Allokation von
Arbeit verändern können.