Der Sonderfall,
ist zu schmal formuliert, weil
es ist schon eine sehr relevante soziale Tatsache, die Hierarchisierung.
Richtig ist, dass wir die Frage der Über- und Unterordnung relativieren.
Es gibt also, wenn man Unterscheidungen zwischen Menschen macht.
Den Fall ihrer hierarchischen Anordnung, der extrem häufig vorkommt.
Es gibt aber auch den Fall einer komplementären Anordnung.
Es gibt den Fall einer symmetrischen Anordnung. Sie können zum Beispiel nach
Nationalität segregieren, ein Staat neben dem anderen, eine Konfession neben
der anderen, ohne dass man unmittelbar eine Über- oder Unterordnung impliziert.
Und die Soziologie hat einen sehr starken Bias, sich sozusagen nur auf diese
soziale Ungleichheit, im engeren Sinne der Hierarchisierung zu fixieren.
Und in den Studies, von denen wir uns distanzieren, von deren Einseitigkeit
des Unterscheidens wir uns distanzieren, ist das das vorrangige Frageinteresse.
Unser vorrangiges Frageinteresse gilt nicht der Bildung sozialer Klassen,
sondern der Bildung sozialer Klassifikationen.
Also das Unterscheidens selbst, das ist sozusagen die Verschiebung,
die thematische Verschiebung, die wir machen.
Der Topos der Hierarchie, das ist ubiquitär, Sie finden das natürlich in jeder
Organisation, krasse Hierarchien, Sie finden in jeder Paarbeziehung,
Prominanzen, Sie finden Stigmatisierung, Diskriminierung,
der beschäftigt viele unserer Teilprojekte nur unter dann auch spezifischem Vokabular.
Ja, eine Diskriminierung ist etwas ganz anderes, wenn man jemand also von einer
Gleichbehandlung ausnimmt und sagt, du nicht, als eine Stigmatisierung,
wenn man sagt, das, was du da hast, du Dicker, das macht dich zu dem, was du bist.
Diese Dominanzgesten funktionieren ganz unterschiedlich oder auch die Distinktionsgesten
von Leuten, die sich für etwas Besseres halten, weil sie einer erlauchten Klasse
oder einer erlauchten Religion angehören oder so etwas.
Das erzeugt ebenfalls Hierarchien, aber nicht so wie Diskriminierung und Stigmatisierung das tun.
Also man muss jedenfalls fragen, was für eine Art von Ungleichheit,
was für eine Art von Hierarchiebildung entsteht denn und weniger sagen,
das ist unser Hauptfokus und immer wenn es ungerecht zugeht,
sind wir zuständig und sagen, dass was zu sagen ist. Das machen wir nicht so gerne.
Vielleicht dies noch, es gibt eine zweite Möglichkeit, wie wir unser Verhältnis
zu den Studies beschreiben können, aus denen eine Vielzahl der Kolleginnen kommen.
Die haben ja in ihrem Forschungsgebiet jeweils durch Machtverhältnisse verzerrte
Realitätsbeschreibungen,
aufgezählt, also vielleicht paradigmatisch der Androzentrismus oder der Eurozentrismus
oder der Nationalismus, aber auch Heteronormativität, Rassismus,
Klassismus, Ageism, Adultismus, diese ganzen Ismen.
Die beziehen sich auf epistemische Verzerrung durch Macht.
Das, was wir machen, kann man vielleicht am besten verstehen,
wenn man es als ein Projekt gegen die Zentrismen zweiter Ordnung versteht.
Nämlich etwas, was Ulrich Beck als methodologischen Nationalismus,
nicht politischen, sondern methodologischen Nationalismus, also Nationenfixiertheit von Studien,
genannt hat, was Andreas Wimmer als Race-Centrism, der Race and Ethnicity Studies
kritisiert hat, Glick Schiller als Ethnic Lenses.
Der Ethnizitätsforschung und so weiter.
Das heißt, man hat in den Studies die Neigung einer Engführung von Vielfachzugehörigkeiten,
auf je eine dominant gesetzte kulturelle Differenz, auf die die Forschung selber
fixiert ist, mit der sie nämlich arbeitet.
Und dieser Bias, der liegt nicht in Machtverhältnissen, sondern der liegt in
der epistemischen Privilegierung einer Unterscheidungsdimension vor allen anderen.
Wir nennen es deshalb Metazentrismen, weil sie sich eigentlich einreihen zu
den bereits bekannten Verzerrungen wissenschaftlicher Arbeit,
wie sie Bourdieu als Intellektualismus oder Scholastizismus kritisiert hat,
wie sie Derrida als Logozentrismus kritisiert hat und wie die,
Geschichtswissenschaften, die sich kritisch als historischen Anachronismus vorhalten.
Verzerrungen des kulturwissenschaftlichen Blicks auf solche Gegenstandsbereiche.
Insofern, wir richten uns gegen solche Metazentrismen.