Das Verbrechen als Produkt der Gesellschaft – mit Daniela Klimke

Das Verbrechen bedroht die gesellschaftliche Ordnung. Dass es bestraft werden muss, ist uns ebenso selbstverständlich wie die Existenz von Polizei, Gerichten und Gefängnissen. Zugleich wissen wir: Gesetze sind nicht immer und überall dieselben. Wir schaudern über mittelalterliche Körperstrafen, belächeln kuriose Rechtsvorschriften anderer Länder oder empören uns über die Straffreiheit ruchloser Finanzmarktakteure.

Was also ist Verbrechen, und wie begreifen wir seine Wandelbarkeit? Mit der Kriminologin Daniela Klimke sprechen wir über den Labeling-Ansatz, der Devianz nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als Ergebnis sozialer Zuschreibungen begreift. Strafrecht ist demnach kein neutraler Ausdruck von „richtig“ und „falsch“, sondern eine umkämpfte Setzung. In ihm spiegeln sich Machtverhältnisse, denn Strafverfolgung trifft nur einen Bruchteil tatsächlicher Delinquenz – vorzugsweise jener, die ohnehin benachteiligt sind.

Mit unserem Gast diskutieren wir grundlegende Strafbedürfnisse und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Bevölkerung und blicken auf historische Wandlungen moderner Strafkulturen. Für Klimke liegt im Verhältnis zwischen Staat und Delinquenten ein dauerhafter gesellschaftlicher Konflikt. Strafrecht ist für sie ein grundsätzlich fragwürdiges Instrument politischer Steuerung und sozialer Kontrolle. Eine kritische Kriminologie sieht in wachsender Strafbereitschaft stets eine gefährliche Entwicklung, die rechtsstaatlich eingehegt werden muss.

Shownotes

Transkript

Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

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Daniela Klimke

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