Transatlantische Bildungsunterschiede

Beobachtungen zur deutschen und amerikanischen Universität

50 Jahre 1968: Die Proteste von Studierenden in dieser Zeit stehen nicht nur für einen Wandel im akademischen Selbstverständnis, sondern auch für eine Annäherung amerikanischer und (bundes)deutscher Universitätskultur. Die beiden Systeme haben dabei denkbar unterschiedliche Voraussetzungen. Ist das amerikanische System von enormen Qualitätsunterschieden zwischen privaten Eliteuniversitäten und staatlichen Colleges geprägt, verspricht die deutsche Universität nach wie vor relativ gute, relativ erschwingliche Abschlüsse in der Breite.

Vor diesem Hintergrund sprechen wir dieses Mal über den universitären Alltag in Deutschland und in den Vereinigten Staaten. Dazu haben wir Robert eingeladen, der derzeit an der Duke University in Durham, North Carolina studiert. Ob die amerikanische Eliteuniversität eine „totale Institution“ ist oder nicht: Ihre Mitglieder sozialisiert sie jedenfalls umfassender als die deutsche. Eine Hierarchie entscheidet dabei darüber, in welcher Position man nach dem Abschluss landen kann. Entsprechend herrscht ein anderer Druck – nicht zuletzt, weil sich die meisten Studierenden verschulden müssen.

Und doch erscheint uns die amerikanische Universitätsbildung besser als die deutsche: Kleine Klassen statt überfüllter Hörsäle. Direkte Betreuung anstatt Verwaltungschaos. Lernen auf Augenhöhe anstatt dem institutionellen Machtgefälle zwischen verbeamteter Professorenschaft und dem „Rest“. Vielleicht können wir davon etwas lernen – ohne uns die große Ungleichheit mit einzukaufen.

Apokalypse, jetzt?

Das Rätsel der Ökologie

Die Uhr tickt: 9 Jahre noch, dann ist das CO2‐Budget für die 1,5 Grad durschnittlicher globaler Erwährmung aufgebraucht. Dann gibt es vielleicht kein Zurück mehr. Selbstverstärkende Prozesse, die ohne unser Zutun ablaufen. 2 Grad, 3 Grad, 4 Grad, 5 Grad. 10 Meter, 20 Meter, 50 Meter, 100 Meter. Eine Apokalypse in Zeitlupe.

Wir wollen über Ökologie sprechen und ihr eigentliches großes Rätsel. Wir wissen schon lange Bescheid über Treibhausgase, Klimawandel und die vielbeschworenen Grenzen des Wachstums. Jedes Kind lernt es inzwischen in der Schule. Dennoch scheinen sich moderne Gesellschaften nur schwer auf ökologische Gefahren einstellen zu können.

Mit Texten von Harald Welzer, Maja Göpel und Michael Hüther (allesamt aus dem Öko‐Update im FUTURZWEI-Magazin) stecken wir die Debatte um Ökologie und Marktwirtschaft noch einmal ab. Während marktfreundliche Protagonisten davon ausgehen, dass wachsende Effizienz ein grünes und dann auch ewiges Wachstum ermöglicht, sprechen die ökologischen Kennzahlen eine andere Sprache.

Kann unsere Ökonomie so reformiert werden, dass wir nicht unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören? Wir machen einen Anfang, reden über hybride Märkte, Natur als Konstruktion, aber auch über den Kapitalismus und die Freiheit, die ohne ihn bleibt.

Aufgestanden!

Wozu linker Populismus?

Wir holen ein Thema nach, das länger schon in der Luft liegt: Linkspopulismus. Hinter der Debatte steht die Frage, in welche Richtung sich die Linke entwickeln muss, wenn sie in absehbarer Zeit eine neue Sozialpolitik machen möchte – jenseits vom Zentrismus der ewigen großen Koalition, die inzwischen ja auch keine stabile Mehrheit mehr hat. Bücher sind geschrieben worden, zuletzt von Chantal Mouffe. Und eine Bewegung ist gegründet worden, die die gebeugten Linken zum „Aufstehen“ auffordert.

Um zu verstehen, worum es geht, hören wir eine Veranstaltung nach, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung stattgefunden hat. Gesprochen wurde über die „Chancen einer linken Sammlungsbewegung in Deutschland“; mit dabei waren Sahra Wagenknecht, Wolfgang Streeck und Nils Heisterhagen, die sich alle recht einig über die Problemlage sind. Der These eines Scheiterns der Linken stimmen wir zwar zu. „Linksliberale Ersatzpolitik“, die statt Umverteilung auf Identitätspolitik setze, dafür verantwortlich zu machen – das überzeugt uns (ebenso wie Felix Schilk in der Jungle World) nicht. Stehen wir also mit auf? Ganz bestimmt. Aber über die Richtung müssen wir streiten.

Gespräche mit Heisenberg

Zumutungen der Quantentheorie

Am Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die Physik gleich von zwei Revolutionen erschüttert, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Vor allem die letztere macht uns bis heute ungläubig. Ereignisse, die keine Ursache haben; Elementarteilchen, die sich anders verhalten, wenn jemand hinschaut; eine Welt jenseits von Objektivität und strenger Vorhersagbarkeit?

Schon in den 1920er Jahren stellte man sich dieselben Fragen. Werner Heisenberg diskutierte mit seinen Studenten Grete Hermann und Carl Friedrich von Weizsäcker über die philosophische Deutung der Quantenmechanik, heute nachzulesen in einem kleinen Reclamheft.

Mit unseren Gästen Niklas und Michi nehmen wir uns diese Reflexionen noch einmal zum Vorbild und versuchen, uns einen Reim auf die Lehren der Physik zu machen. Ist die Quantentheorie eine intellektuelle Zumutung für eine konsistente Interpretation der Wirklichkeit oder muss umgekehrt die (alte) Philosophie in ihren Möglichkeiten und Grundannahmen in Frage gestellt werden? Beim Versuch, die Quantenwelt zu verstehen, gerät man bald an die Grenzen des Denk‐ und Sagbaren.

Europageschichten

Europa im Denken der Rechten

Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie: so geht das Lied von Europa, in das wir gerne einstimmen würden. Aber wieso singen es auch die Rechten so gerne? Von Humanismus und Aufklärung spricht das Wahlprogramm der AfD.  Der Front National schwärmt von zivilisatorischen Werten und von Laizität. „Ich bin eine Europäerin“, beteuert Marine Le Pen.

Neben der Nation als geschichtlichem und kulturellem Bezugspunkt taugt inzwischen auch Europa als beliebtes Schlagwort der Nationalisten. Mehr noch, die Rechten erzählen eine eigene Geschichte von Europa, in der sie selbst die ersten Verteidiger der Aufklärung sind. Hier verbindet sich mit Europa eine lange Geschichte der Fremd‐ und Selbstbeschreibung. Eine Tradition, die Welt einzuteilen, Menschen zu sortieren, Drinnen und Draußen abzustecken.

Mit Leoni J. Keskinkilic reden wir über Die „Europäisierung“ rechter Nationalparteien (in: Rechtspopulismus im Fokus, Springer VS 2018). Wir sehen, dass mit Europa dabei nicht konkrete Institutionen oder supranationale Gebilde gemeint sind. Europa heißt hier Abendland. Heißt wir und sie, heißt Zivilisation und Barbarei, heißt der Westen und der Rest. In dieser Erzählung vom europäischen Universalismus macht es durchaus Sinn, Gruppen auszugrenzen, Religionsfreiheit einzuschränken und am Grenzzaun auch mal zu schießen.