Aufgestanden!

Wozu linker Populismus?

Wir holen ein Thema nach, das länger schon in der Luft liegt: Linkspopulismus. Hinter der Debatte steht die Frage, in welche Richtung sich die Linke entwickeln muss, wenn sie in absehbarer Zeit eine neue Sozialpolitik machen möchte – jenseits vom Zentrismus der ewigen großen Koalition, die inzwischen ja auch keine stabile Mehrheit mehr hat. Bücher sind geschrieben worden, zuletzt von Chantal Mouffe. Und eine Bewegung ist gegründet worden, die die gebeugten Linken zum „Aufstehen“ auffordert.

Um zu verstehen, worum es geht, hören wir eine Veranstaltung nach, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung stattgefunden hat. Gesprochen wurde über die „Chancen einer linken Sammlungsbewegung in Deutschland“; mit dabei waren Sahra Wagenknecht, Wolfgang Streeck und Nils Heisterhagen, die sich alle recht einig über die Problemlage sind. Der These eines Scheiterns der Linken stimmen wir zwar zu. „Linksliberale Ersatzpolitik“, die statt Umverteilung auf Identitätspolitik setze, dafür verantwortlich zu machen – das überzeugt uns (ebenso wie Felix Schilk in der Jungle World) nicht. Stehen wir also mit auf? Ganz bestimmt. Aber über die Richtung müssen wir streiten.

Gespräche mit Heisenberg

Zumutungen der Quantentheorie

Am Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die Physik gleich von zwei Revolutionen erschüttert, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Vor allem die letztere macht uns bis heute ungläubig. Ereignisse, die keine Ursache haben; Elementarteilchen, die sich anders verhalten, wenn jemand hinschaut; eine Welt jenseits von Objektivität und strenger Vorhersagbarkeit?

Schon in den 1920er Jahren stellte man sich dieselben Fragen. Werner Heisenberg diskutierte mit seinen Studenten Grete Hermann und Carl Friedrich von Weizsäcker über die philosophische Deutung der Quantenmechanik, heute nachzulesen in einem kleinen Reclamheft.

Mit unseren Gästen Niklas und Michi nehmen wir uns diese Reflexionen noch einmal zum Vorbild und versuchen, uns einen Reim auf die Lehren der Physik zu machen. Ist die Quantentheorie eine intellektuelle Zumutung für eine konsistente Interpretation der Wirklichkeit oder muss umgekehrt die (alte) Philosophie in ihren Möglichkeiten und Grundannahmen in Frage gestellt werden? Beim Versuch, die Quantenwelt zu verstehen, gerät man bald an die Grenzen des Denk‐ und Sagbaren.

Europageschichten

Europa im Denken der Rechten

Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie: so geht das Lied von Europa, in das wir gerne einstimmen würden. Aber wieso singen es auch die Rechten so gerne? Von Humanismus und Aufklärung spricht das Wahlprogramm der AfD.  Der Front National schwärmt von zivilisatorischen Werten und von Laizität. „Ich bin eine Europäerin“, beteuert Marine Le Pen.

Neben der Nation als geschichtlichem und kulturellem Bezugspunkt taugt inzwischen auch Europa als beliebtes Schlagwort der Nationalisten. Mehr noch, die Rechten erzählen eine eigene Geschichte von Europa, in der sie selbst die ersten Verteidiger der Aufklärung sind. Hier verbindet sich mit Europa eine lange Geschichte der Fremd‐ und Selbstbeschreibung. Eine Tradition, die Welt einzuteilen, Menschen zu sortieren, Drinnen und Draußen abzustecken.

Mit Leoni J. Keskinkilic reden wir über Die „Europäisierung“ rechter Nationalparteien (in: Rechtspopulismus im Fokus, Springer VS 2018). Wir sehen, dass mit Europa dabei nicht konkrete Institutionen oder supranationale Gebilde gemeint sind. Europa heißt hier Abendland. Heißt wir und sie, heißt Zivilisation und Barbarei, heißt der Westen und der Rest. In dieser Erzählung vom europäischen Universalismus macht es durchaus Sinn, Gruppen auszugrenzen, Religionsfreiheit einzuschränken und am Grenzzaun auch mal zu schießen.

Wittgensteins Ende der Philosophie

Worüber man podcasten kann, darüber muss man podcasten

Wir haben schon öfter behauptet, dass es mit den Fakten und dem Wissen über sie nicht so einfach ist, wie es der Alltag glauben macht. Die intellektuellen Traditionen, auf die wir uns dabei beziehen, sind hybrid, vielschichtig, unübersichtlich.

Mit kaum einem anderen Philosophen lassen sich die Schwierigkeiten einer positivistischen Weltsicht besser verstehen als mit Ludwig Wittgenstein. Mit seinem Tractatus schuf er ein Werk vollendeter Klarheit, in dem der Naturwissenschaft ein strenges logisches Fundament gegeben wurde und die Philosophie endgültig ihre Schuldigkeit getan hatte. 32 Jahre später erschienen seine Philosophische Untersuchungen, die alles wieder zum Einsturz brachten.

Unser Gast Felix hilft uns zu verstehen, welche Unordnung Wittgenstein in der Philosophie angerichtet hat. Was kann Philosophie nach Wittgenstein noch sein? Welchen Beitrag kann sie leisten zu unserem Wissen von den Dingen? Oder bedeutet Wittgenstein eigentlich das Ende der Philosophie (wie wir sie kannten)?

Die große Verschwörung

Was ist unvernünftig an Verschwörungstheorien?

In den letzten Jahrzehnten als Mittel politischer Kommunikation diskreditiert, sind Verschwörungstheorien mit voller Kraft zurück im Diskurs. Grund genug, uns diesen zu widmen. Wir sprechen über ein Interview mit Michael Butter, der kürzlich ein Buch zum Thema geschrieben hat. Das gleichen wir mit Bemerkungen von Karl Popper und Karl Hepfer ab. Verschwörungstheorien spiegeln, so das Ergebnis, ein modernes Denken, das irrtümlich von einer umfassenden Planbarkeit der sozialen Welt ausgeht.

Im Anschluss diskutieren wir, ob Verschwörungstheorien die Welt wirklich so einfach machen. Wenn man niemandem mehr trauen kann und alles selbst nachforschen muss, wird die Welt doch eigentlich komplizierter? Und auch wenn Verschwörungstheorien Komplexität reduzieren – macht das nicht jede Theorie? Wie unterscheiden sich Verschwörungstheorien von denen des Soziologen? Viel Gesprächsstoff. Wir kommen in einer der nächsten Sendungen darauf zurück.