Mit Jenni Brichzin über politische Praxis in Parlamenten

Denkt man daran, was in der Politik tagtäglich passiert, fallen einem zuerst massenmediale Versatzstücke ein: hektische Statements vor anonymen Gebäuden, einheizende Parteitagsreden, der Schlagabtausch im Plenum. Doch was machen Politikerinnen und Politiker, wenn sie in keine Kamera sprechen? 

Jenni Brichzin hat sich in einer mehrjährigen Ethnografie mit der politischen Arbeit in Deutschland auseinandergesetzt. Sie begleitete Parlamentarierinnen und Parlamentarier in ihrem Alltag, um zu verstehen, was das konkret heißt: Politik machen. Gefunden hat sie eine Praxis, die sich weder als reiner Machtkampf noch als schlichte Repräsentation gesellschaftlicher Stimmungen verstehen lässt.

Für Brichzin ist Parlamentarismus erst einmal Arbeit an Themen. Politikerinnen und Politiker werden an ihren langen Arbeitstagen mit einem Strom von Forderungen, Problemen und Meinungen konfrontiert. Sie müssen Themen selektieren, bewerten, erledigen oder stark machen, vereinnahmen oder zähneknirschend abgeben. Arbeit ist hier ein schöpferischer Vorgang: Politiker produzieren überhaupt erst die kulturellen Formen, in denen demokratische Politik ihre Gestalt gewinnt. 

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