Smarte Deals

Trump erklären mit Robert K. Merton

Die Wahl des Orangenmannes zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ist halbwegs verdaut. Die Erklärungen dafür kennt man. Auf der einen Seite scheint es immer noch zu reichen, ihn als irre abzutun. Auf der anderen Seite hat man „die Abgehängten“ entdeckt, die ihn aus Wut und Verzweiflung – und entgegen ihrer Interessen – gewählt hätten. Wir versuchen demgegenüber, eine soziologische Erklärung nachzuvollziehen, die Trump als Figur ernst nimmt und eine Antwort darauf hat, warum gerade sie zu den Vereinigten Staaten heute passt.

Es geht um Anomie, wie sie Robert K. Merton in Social Theory and Social Structure beschrieben hat. „Kulturelle Ziele“ und „institutionelle Normen“ fallen, so seine Vorstellung, in modernen Gesellschaften immer wieder auseinander. In den Vereinigten Staaten bedeutet das, dass man zwar reich werden soll, aber es keine festen Regeln gibt, wie. Get Rich or Die Tryin‘. „Smarte Kerle“ wie Trump, die sich nicht an die Regeln halten und gerade dadurch Erfolg haben, sind nicht nur Ausdruck, sondern die Helden dieser Anomie.

Lose verbunden

Internettheorie mit David Weinberger

Leo ist erkältet, Menschen haben das manchmal so an sich. Damit sind wir schon beim Thema, denn wir sprechen darüber, wie sich modernes Wissen von Wissen unterscheidet, das aus lose verbundenen Stücken besteht. Dafür lesen wir ein paar Stellen aus Small Pieces Loosely Joined von David Weinberger. Das moderne Wissen war ein Prachtbau, gebaut aus den Fakten wie Ziegelsteinen, wie wir am Beispiel der Zentralbibliothek von Los Angeles nachvollziehen. Die Disziplinen hatten sich die Welt aufgeteilt, die große Leistungsfähigkeit der modernen Gesellschaft fußte auf dem Vertrauen ins Expertentum.

Im Web, so Weinberger, ist das alles anders. Die lose verbundenen Wissensstücke sind keine Ziegelsteine mehr. Viel mehr sind es Elemente, die dynamisch zusammengesetzt werden, deren Sinn immer neu hergestellt wird – und zwar von uns. Wir werden somit Teil dieses Wissens. Wir können die Verantwortung nicht abgeben, deswegen funktioniert Fact Checking, wie bei Verrit oder Snopes, auch nicht; zumindest nicht so, wie es soll. Ironischerweise – und damit erinnern wir uns an die zweite Folge von Das Neue Berlin – macht das entkörperlichte Web damit die „Wahrheiten des Körpers“ sichtbar. Wir werden auf niemand anderen zurückgeworfen als uns selbst.

Politik ohne Eigenschaften

Was ist übrig vom Konservatismus?

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Eine nebulöse Gestalt – unheimlich und faszinierend – durchschwebt die politischen Hallen und spukt in den Zeitungsredaktionen. Man munkelt von konservativen Werten, gar einer neuen Konservativen Revolution. Greift man nach der Gestalt, fasst man ins Leere. Er will sich nicht recht festnageln lassen, der Konservatismus.

Was hat es auf sich mit dieser politischen Tradition, die keine Manifeste schreibt? Was sind seine gedanklichen Grundlagen, wo liegt sein Ursprung in der Moderne? Kann es überhaupt eine Theorie des Konservatismus geben, die sich nicht in Widersprüche verfängt? Wir versuchen den geistigen Störenfried auf den Begriff zu bringen und machen uns Gedanken, ob, Gott bewahre, sich auch etwas von ihm lernen lässt.

Ironie

Das kann man doch nicht ganz ernst meinen!

Nur Idioten sagen, was sie denken. Der Zeitgeist spricht ironisch. Jedes Wort mit Augenzwinkern, jeder Satz sarkastisch überbetont. Wir wollen auf nichts hinaus oder auf alles.

Aber was ist Ironie? Nur ein Stilmittel der Coolness für saturierte Intellektuelle? Oder Lebens‐ und Überlebensmittel?  Gibt die Ironie uns einen Ausweg aus unserer Epoche, in der es zu viele Stimmen gibt, um noch ernsthaft der einen Wahrheit anzuhängen? Oder ist es nur bequem, sich ironisch aus der Affäre zu ziehen? Nicht Stellung zu beziehen und immer so verdammt Bescheid zu wissen. – Eine verworrene Annäherung.

Wen kümmert's, wer spricht?

Reden übers Reden mit Heinrich von Kleist

Mancher Philosoph hat beim Blick auf die Entwicklung unserer Welt gedacht, dass die Menschen früher oder später nur noch wie Roboter miteinander sprechen könnten. Genau das Gegenteil ist passiert. Heute wird jeden Tag eine neue Sprache erfunden.

Doch wozu sprechen: Das fragen wir uns in der ersten Folge von Das Neue Berlin. Einen ersten Hinweis bietet uns Heinrich von Kleists Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Wir lernen, dass man beim Sprechen auf neue Gedanken kommen kann — Gedanken, die ohne das Gespräch vielleicht gar nicht da wären. Wer spricht hier? Und wer fragt danach, wer hier spricht? Wir jedenfalls: Uns kümmert’s, wer spricht.